Die Off-Season ist im Volleyball oft die spannendste Phase des Jahres – zumindest aus Trainersicht. Die Saison ist vorbei, Tabellen und Ergebnisse stehen fest. Jetzt beginnt die Zeit, in der die Grundlagen für die nächste Spielzeit gelegt werden. Wer sich als Team weiterentwickeln möchte, braucht nicht nur gute Trainingswochen während der Saison, sondern vor allem klare Ideen und ehrliche Arbeit in den Monaten dazwischen.
Für uns als Trainer bedeutet die Off-Season deshalb viel mehr als „Sommerpause“. Sie ist Analysephase, Planungszeit und manchmal auch ein emotionaler Abschnitt.
Rückblick statt Stillstand
Direkt nach Saisonende beginnt zunächst die Auswertung. Dabei geht es nicht nur um Siege und Niederlagen. Viel wichtiger ist die Frage:
- Wo hat sich das Team entwickelt?
- Welche Spielerinnen und Spieler haben den nächsten Schritt gemacht?
- Welche Themen haben uns die ganze Saison begleitet?
- Und wo müssen wir uns verändern?
Viele Gespräche finden dabei nicht in der Halle statt, sondern im direkten Austausch mit den Spielerinnen und Spielern.
Die sogenannten „Next-Step-Talks“
Ein wichtiger Bestandteil unserer Off-Season sind Einzelgespräche. Manche nennen sie Saisonfeedback, wir sprechen oft von „Next-Step-Talks“. Dabei geht es nicht darum, jemanden zu bewerten oder abzurechnen. Ziel ist vielmehr, gemeinsam die nächsten Entwicklungsschritte festzulegen.
In diesen Gesprächen sprechen wir über:
- die persönliche Entwicklung in der vergangenen Saison,
- Stärken und Baustellen,
- Erwartungen an die kommende Spielzeit,
- Trainingsbereitschaft,
- mögliche neue Rollen im Team
- und persönliche Ziele.
Manchmal geht es auch um Dinge außerhalb des Volleyballs: Schule, Ausbildung, Studium oder berufliche Belastungen beeinflussen schließlich ebenfalls die sportliche Entwicklung.
Am Ende sollen beide Seiten Klarheit haben:
Was braucht die Spielerin oder der Spieler, um besser zu werden – und was braucht das Team?
Zielvereinbarungen statt vager Wünsche
„Ich möchte besser werden“ reicht als Ziel meistens nicht aus.
Deshalb versuchen viele Trainer, konkrete Zielvereinbarungen zu treffen:
- technisch,
- taktisch,
- athletisch
- oder mental.
Das kann bedeuten:
- regelmäßiges Athletiktraining,
- Arbeit an einer bestimmten Technik,
- mehr Verantwortung auf dem Feld,
- oder ein klarer Fokus auf Kommunikation und Führung.
Gerade im Jugendbereich ist es wichtig, Entwicklung sichtbar und greifbar zu machen.
Training in höher spielenden Teams
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Verzahnung zwischen Mannschaften. Spielerinnen und Spieler, die sich stark entwickelt haben, erhalten häufig die Möglichkeit, zeitweise bei höher spielenden Teams mitzutrainieren.
Das bringt mehrere Vorteile:
- höhere Trainingsintensität,
- schnelleres Spieltempo,
- neue Anforderungen,
- und zusätzliche Motivation.
Gleichzeitig bekommen die Trainer einen Eindruck davon, ob ein dauerhafter nächster Schritt realistisch ist.
Besonders in Vereinen wie dem SC Wentorf Volleyball ist dieser Übergang enorm wichtig. Nur wenn Jugend- und Erwachsenenbereich eng zusammenarbeiten, kann nachhaltige Entwicklung gelingen.
Der schwierige Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich
Kaum ein Schritt ist im Volleyball so herausfordernd wie der Wechsel aus der Jugend in den Erwachsenenbereich.
Plötzlich verändern sich:
- Tempo,
- körperliche Intensität,
- Trainingsumfang,
- Eigenverantwortung
- und auch die Erwartungen im Team.
Viele talentierte Jugendliche brauchen Zeit, um dort anzukommen. Deshalb ist die Off-Season häufig die Phase, in der Übergänge organisiert werden:
- gemeinsame Trainingseinheiten,
- erste Einsätze,
- Patenschaften durch erfahrene Spielerinnen und Spieler,
- oder bewusste Doppelspielrechte.
Das Ziel ist nicht, jemanden „hochzuziehen“, sondern den Übergang sinnvoll zu begleiten.
Wenn Entwicklung unterschiedlich schnell verläuft
Der schwierigste Teil der Off-Season sind oft die Gespräche, in denen es nicht nur um Chancen, sondern auch um Grenzen geht.
In jeder Mannschaft gibt es Spielerinnen und Spieler, die sich unterschiedlich schnell entwickeln. Manche machen große Schritte, andere stagnieren – manchmal trotz großem Einsatz.
Als Trainer steht man dann vor einer herausfordernden Aufgabe:
Wie ehrlich muss man sein?
Und wie schafft man es gleichzeitig, Menschen nicht zu enttäuschen oder zu verlieren?
Wichtig ist dabei vor allem Respekt und Offenheit.
Es geht nicht darum, jemanden „auszusortieren“. Sondern darum, realistisch einzuschätzen:
- Welche Rolle kann jemand im kommenden Jahr übernehmen?
- Wo bekommt die Person genügend Spielzeit und Entwicklungsmöglichkeiten?
- Und welches Umfeld hilft aktuell am meisten?
Manchmal bedeutet das:
- weniger Einsatzzeit,
- eine andere Rolle,
- ein Wechsel in eine andere Mannschaft
- oder bewusst ein Schritt zurück, um später wieder zwei nach vorne machen zu können.
Gerade junge Spielerinnen und Spieler brauchen dabei ehrliche Kommunikation. Unklare Erwartungen oder falsche Hoffnungen helfen niemandem.
Teamumbau gehört ebenfalls dazu
Nicht jede Mannschaft bleibt automatisch zusammen. Manche Spielerinnen und Spieler hören auf, wechseln den Verein oder verändern ihre Prioritäten.
Deshalb gehört zur Off-Season auch:
- Kaderplanung,
- Suche nach Neuzugängen,
- Abstimmung zwischen den Teams,
- Trainingsplanung,
- Hallenzeiten,
- Turniere
- und die Vorbereitung der kommenden Saison.
Oft passiert dabei hinter den Kulissen deutlich mehr Arbeit als während einer laufenden Spielwoche.
Die wichtigste Aufgabe eines Trainers
Am Ende geht es in der Off-Season um eine zentrale Frage:
Wie schaffen wir es, dass sich Menschen weiterentwickeln?
Nicht nur als Volleyballerinnen und Volleyballer, sondern auch persönlich.
Ein gutes Team entsteht nicht zufällig. Es entsteht durch klare Kommunikation, ehrliche Gespräche, Geduld und gemeinsame Ziele.
Die Off-Season ist deshalb keine Pause vom Volleyball.
Sie ist der Beginn der nächsten Entwicklungsschritte.


